Furchtbar nette Krankenschwestern und einen ebenso freundlichen Herrn im weißen Kittel mit Intelligenzblick über der Halbbrille treffe ich dort. So weit, so hoffnungsfroh und Genesung verheißend.

Nur: Der nette Doc spricht kein Wort deutsch - warum auch? Und meine drei Brocken usbekisch aus dem Wörterbuch "usbekisch für Dummies" verstehe nicht mal ich selbst.
An dieser Stelle des Traumes werde ich klugerweise meist wach. wenn auch schweißdurchtränkt. Wer weiß, wie und wo dieser Traum geendet wäre: In Usbekistan möchte ich nämlich ehrlich gesagt weder tot überm Zaun noch auf einem idyllischen Friedhof rumhängen oder tiefer gelegt werden.
Nun gut. Was man sich so alles zurecht träumt ...
Aber gestern ging der Traum weiter - eindeutig nach Wachwerden, Duschen und frischer Einkleidung.
Mein Traum stand im der Zeitung, die ich eher gelangweilt zwischen den kleinen Freuden des neuen Tages in Form eines perfekt weichgekochten Frühstücks-Eis und Lachsbrötchen überflog. Da berichtete der Anästhesie-Chefarzt der örtlichen Klinik mit gewiss berechtigtem Stolz von einem erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt in meiner Heimatstadt:
"Deutsch für ausländische Ärztinnen und Ärzte".
Sprachprüfung reicht nicht ansatzweise ...
Der Mann hatte aus der realen Not des Klinikalltags eine Tugend gemacht. Mutig und nicht sonderlich vertrauenserweckend, was er realistisch in der kleinen Lokalblatt-Reportage schilderte: "Die an die Arbeitserlaubnis geknüpfte allgemeine Sprachprüfung reicht bei Ärzten nicht ansatzweise, um hier beruflich tätig zu werden."
Aua
Aber das ist doch mal wenigstens ein offenes Wort. Da wären wir doofen Patienten ja nie drauf gekommen.
Nun ja Irgendwie kommt das wohl jedem, der ein Krankenhausbett nicht nur als Blumen schwingender Besucher kennt, bekannt vor.
Wir alle kennen sie: Die frisch aus Syrien, China oder dem Sudan immigrierten Mediziner, die helfen, die Personalnot der deutschen Krankenhäuser zumindest ein wenig zu lindern.
Ginge es nicht ausgerechnet um unsere Gesundheit, hätten die nicht geträumten, sondern klinikalltäglichen Arzt-Patientengespräche mit diesen fachlich durchaus hoch qualifizierten Ärztinnen und Ärzten an sich eine besondere, eine heitere Note, die fast schon einen Hauch Loriot ins klinisch reine langweilige Krankenzimmer bringt.
In meiner Krankenhaus-Praxis als Patient spielte sich das meist nach folgendem Muster ab:
Wenn es einigermaßen glimpflich ablief, trafen wir uns halbwegs bei meinem miserablen Englisch und seinem gewiss besseren Englisch. Weil wir aber beide unsere schauderhaften Akzente für feinstes Queens-English hielten, waren auch da wieder mehr oder weniger irritierende, bisher gottlob nicht lebensbedrohende Misunserstandings die Folge.
Diabetes? Nööö, ich hab Zucker
Aber selbst wenn die Heiler ind Helfer von far, far away mittlerweile dank dem Braunschweiger Pilotprojekt leidlich deutsch sprechen, was bei einer Tätigkeit in einer deutschen Klinik von unzweifelhaftem Vorteil sein dürfte, kann es zu den putzigsten Verwechslungen kommen.
Beispiel gefällig?
Fragt der China-Mään in weißem Kittel den biederen Patienten aus der norddeutschen Tiefebene vor der OP: "Leiden sie an Diabetes mellitus?" Der schmerzgeplagte Landbewohner weist diese Zumutung empört weit von sich: So ‚nen neumodischen Kram hat er nicht – jedenfalls noch nie was davon gehört. Tscheina-Doc abschließend: Haben Sie sonst noch Krankheiten?
"Tscha, Herr Dokter, ich hab nen bösen Zucker - schon seit Jahren". Das wiederum versteht der Akademiker aus dem Fernen Ostem keineswegs. Beide sind mit dem Gespräch ziemlich zufrieden.
Zumindest vor der OP.
Wie heißt es so schön? Shugar happens.
Vielleicht sollten wir alle so schöne Weltsprachen wie das gute alte, ziemlich kn Vergessenheit geratene Esperanto lernen.
In diesem Sinne
mi deziras al vi baldaŭan resaniĝon
(oder auch gute baldige Besserung) wünscht
Ihr Norbert Jos Maas
euer Jos

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Sie können hier einen Kommentar schreiben - bitte mit Namensnennung
Oder schreiben Sie mir eine Mail an:
redaktion@chronisch-leben.de