Samstag, 24. Dezember 2011

Alle Jahre wieder: Murmeltier grüßt Christkind



Erst einmal wünsche ich alt gewordenes Heidenkind allen religiös Gläubigen von ganzem Herzen ein frohes Weihnachtsfest – jedem nach seiner Konfession.

In römisch-katholischer Tradition aufgewachsen erinnere ich mich gut:

An Mitternachtsmetten mit den alten Liedern, deren Sinn wir nicht immer verstanden, uns aber einfach freuten, dass "ein Ros' (oder war es doch das Ross) entsprungen' war.

An den Fichtenduft in der überheizten guten Stube, den wir, biologisch ein wenig daneben, für die olfaktorischen Ausdünstungen der echt Schwarzwälder Tanne hielten, glaubten wir ebenso fest und unverbrüchlich wie an das kleine Christkind und - mit beginnendem westdeutschen Wirtschaftswunder - nach wie vor daran, dass dieses arme Krippenkind uns die Hightech-Märklin-Eisenbahn mitsamt Transformator, der nach Doppelklick, die Lok rückwärtsfahren ließ, mit zwei Weichen und dem ovalen Schienenrund eigenhändig unter das mit echten Stearin-Kerzen, Unmassen an Lametta und Engelshaar getunte Festgemüse geschleppt hatte -biologisch ebenso unwahrscheinlich wie der der Fichte entströmende angebliche Tannenduft.

   Christkind-Kraftprotz der guten alten Zeit   

Ja, damals war das kleine Christuskind noch ein richtiger Kraftprotz, das sich nach getanen Geschenke-Schlepper-Plackereien tiefschlafend in seiner Krippe ausruhte.

Aber schön war's schon damals.

Heute ödet mich ein süßlich-klebriger knödelnder Tenor schon morgens bei der rituellen Festtags-Duscherei im Bad an und versucht mich davon zu überzeugen, dass "Alle Jahre wieder" nicht etwa das Murmeltier grüßt, sondern das Christuskind kommt. Ich weiß nicht, wen ich mehr bedauern soll:

Das arme Christuskind kann mir wirklich leidtun, das auf ewig verdammt ist, jedes Jahr wieder geboren zu werden (um ein paar Monate später dann barbarisch an gekreuztem Holz zu Tode gefoltert zu werden.

Als echter Frauenversteher leide ich auch mit der armen Maria, die (ohne leibliche Freuden zuvor) zur alljährlichen Gebärmaschine degradiert wird, glaubt man dem irgendwie irrsinnigen Liedtext.

   Weihnachtliche Stille - dank Ausknopf     

Ich selbst hab' es da gut: Spätestens bei der der zweiten Strophe und noch bevor ein Kinderchor den, jeder forstlichen Nachhaltigkeit Hohn sprechenden, besser hohnsingenden Tannen-Kahlschlag bejubelt - habe ich, triefnass aus der Dusche stolpernd, den Ausschaltknopf des Badezimmer-Radios mit von Seife blinden Augen ertastet und gedrückt.

Stille.

Weihnachtliche Stille.

Mein Weihnachtsfrieden ohne störenden Festtagslärm

Friede und Stille auf Erden wünsche ich allen, die nicht willens sind, sich die Erinnerungen und echt empfundenen Illusionen der Kindertage durch Kitsch und Kommerz versauen zu lassen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern des Blogs chronischLEBEN

ruhige und frohe Feiertage.

Ihr Norbert Jos Maas
euer Jos

1 Kommentare:

  1. ... dir auch, norbert [url=http://www.smilies.4-user.de][img]http://www.smilies.4-user.de/include/Weihnachten/smilie_xmas_481.gif[/img][/url]

    von manu

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