Was könnte man nicht alles machen - und sich dann als Möchtegern-Obama hinstellen und trutzig-stolz verkünden: Yes, We can ... Mal ganz abgesehen von der betrüblichen Tatsache, dass der derzeitige Ober-Ami sich längst der von Jellinek selig erfundenen normativen Macht des Faktischen gebeugt hat - weniger abgehoben ausgedrückt: Er gibt eine um die andere "We can"-Position seines Wahlkampfs preis, natürlich mit strahlenden "Yes-We-Can"-Lächeln.
Ich muss nicht alles nachmachen, was sich bei anderen, die mehr auf der Latte haben als meinereiner, bereits als höchst suboptimal erwiesen hat (da hilft auch der doppelt gemoppelte Superlativ so ziemlich gar nix).
Nein, mein ganz persönliches Motto ist neuerdings ein anderes. Ich mauschel‘ mich mit der ebenso praktischen wie knochenehrlichen Maxime durchs Leben:
"Yes, I could – aber: ich will gar nicht"
Dieser Leitsatz führt mich zuverlässig durch die meisten Unwägbarkeiten und Untiefen des Lebens mit mir selbst und anderen der merkwürdigen, um nicht zu sagen fragwürdigen Spezies Homo sapiens (oder sollte ich sicherheitshalber Hominoideae, Menschenartige sagen?
Ein paar Beispiele gefällig? Gern doch. Klar könnte ich im Stehen urinieren - hab' ich jahrzehntelang geübt. Yes, i could.
Aber ich will gar nicht. Ich bin weder Softie noch Frauenversteher. Ich finde es einfach ziemlich unhygienisch (und ein bisschen Hominoidae-mäßig), ohne zwingenden Grund beliebige Körperflüssigkeiten frei im Raum zu verteilen - egal, wer die Sauerei dann wegmachen muss.
Ausserdem: Ich KÖNNTE ja. Das hat was. Also bin ich längst zum mit sich und dem WC versöhnten Sitzpinkler à la Frank Zappa mutiert.
Oder: Ich könnte wie in den frühen, mit reichlich Adrenalin und Testosteron durchtränkten Zeiten den Vettel für PS-Arme spielen und wie eine tiefer gelegte Rennsau von Blitzer zu Blitzer hetzen, immer auf der Überholspur (nicht nur im Auto) zwischen den einzigen mir bekannten Aggregatszuständen Bleifuß und Rotlicht-Zwangsstopp schleudernd.
I could - zweifelsohne: das lässt sich zur Not auch mit einem braven VW Polo bewerkstelligen.
Aber ich will gar nicht (mehr). Ich rolle effektiv und gelassen von Grün zu Grün, wenn auch unübersehbar als alter Mann mit Hut von den Heißspornen begrinst, die in jeglicher Hinsicht zu schnell sind. Ich schone Spritverbrauch, Bremsbeläge und Nerven - und hole die "Sportler" immer wieder an der nächsten Ampel ein, wenn sie nach langem Warten bei Rot wieder mit durchdrehenden Pneus und Tunnelblick los spurten.
Und: Yes, I could Power-Walken oder Ironman-artig rennradeln statt meinen Rollator behäbig spazieren zu schieben - wenn mir der Parkinson nicht ausgerechnet die Beweglichkeit und Ausdauer verhagelt hätte - aber ich will ja ... Schwachsinn: Ich wollte schon.
Aber damals war damals und heute ist heute. Ich bin ja weiter mobil, nur anders. So what.
Aber einen Beweis hätte ich doch vielleicht noch zur Stützung meines neuen Mottos. Mal schau‘n:
Yes, I could mal ein richtig nettes Forum für Parkinsonkranke machen, ohne viel störendes Beiwerk wie unbequeme Informationen oder gar nervige Auseinandersetzungen, ganz und gar dem Frohsinn, der Behaglichkeit und der der schulterklopfenden Harmonie verschrieben.
Could I? Nein, ich könnte, ehrlich gesagt, nicht. Und ich will auch gar nicht.
Ich denke, ich überdenke das mit meiner neuen Maxime doch noch mal.
Wie wär's mit: Yes,I do - wenn ich's kann und will.
Mit diesem gar nicht mal so schlechten Vorsatz grüßt
Ihr Norbert Jos Maas
euer Jos
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